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Pfullingen und seine Geschichte
Die Stadt Pfullingen mit ihren gut 18.600 Einwohnern kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Funde, bereits aus der Jungsteinzeit, belegen, dass schon vor rund 6000 Jahren Menschen im Bereich der heutigen Stadt siedelten. Auch Menschen der Bronzezeit, Kelten und Römer haben ihre Spuren hinterlassen. Im 5. Jahrhundert war die Siedlung Hauptort einer alemannischen Hundertschaft. Deren Stammesfürst hieß „Phulo", wovon sich bis heute der Name der Stadt Pfullingen ableitet.
Um 600 bis 650 wurde bereits eine der ältesten nachweisbaren Kirchen unseres Landes als hölzerner Vorgängerbau der heutigen Martinskirche errichtet. Die Bedeutung Pfullingen als Sitz des Stammesfürsten lässt sich auch an dem bis 1806 hier tagenden Frei- und Hochgericht, dem „Schrannengericht" ablesen. Pfullingen wurde bereits 937 in einer Urkunde von Kaiser Otto dem Großen erstmals erwähnt. Der heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, wurde etwa um 924 in Pfullingen geboren. Der letzte Spross des alten Pfullinger Ortsadels war Kaspar Rempp, der 1487 sein Schloss an Graf Eberhard im Barte verkaufte. Ab dem Zeitpunkt war Pfullingen völlig württembergisch.
Im Jahre 1252 stifteten Mechthild und Irminhild, ebenfalls aus dem Geschlecht des Pfullinger Ortsadels, das Pfullinger Frauenkloster. Es gelangte zu einiger Bedeutung und bestand bis in die Reformation, als es dann im Jahre 1534 an das Haus Württemberg überging. Die Klosterkirche und das Sprechgitter sind heute noch beeindruckende Zeugen dieses einst großen Konventes. In den Städtekriegen 1311 wurde Pfullingen zerstört und in der Zeit zwischen 1377 und 1388 dreimal angezündet.
Es gab ursprünglich eine obere und eine untere Burg. Letztere, ab Anfang des 13. Jahrhunderts Sitz der Remppen, ließ Herzog Christoph von Württemberg 1560-1564 zu einem Jagdschloss im Renaissancestil umbauen.
Pfullingen wurde im Jahre 1699 mit allen Rechten einer Stadt versehen und war bis 1806 Oberamtsstadt. Historisch gesehen spielten neben der Landwirtschaft der Obst-und Weinbau die wichtigste Rolle in der Wirtschaft der Stadt. Daneben waren zunächst nur Handwerksbetriebe zur Versorgung der bäuerlichen Bevölkerung anzutreffen. Hauptsächlich wegen der kriegerischen Wirren bis zur Gründung des württembergischen Königreiches war Pfullingen kein günstiger Standort für Handel und Gewerbe. Kaufleute und Handwerker ließen sich deshalb lieber in der ummauerten, und vor Plünderung und Brandschatzung geschützteren, freien Reichsstadt Reutlingen nieder.
In Pfullingen gediehen zunächst nur das bäuerliche Handwerk und, dank der Wasserkraft der kräftig und stetig fließenden Echaz, einige Mühlen. Bereits 1521 wird eine Papiermühle erwähnt. Zum Ende des 17. und im 18. Jahrhundert kamen die Berufe der Strumpfweber und Bortenwirker auf. 1798 wurden von rund 100 Familien 23000 Paar Strümpfe hergestellt, die nicht nur in der näheren Umgebung abgesetzt wurden, sondern bis nach Oberschwaben und in die Schweiz verkauft wurden.
Im Zuge der allgemeinen technischen Entwicklung setzte zwischen 1830 und 1840 in Pfullingen die Industrialisierung ein. Als Standortvorteil erwies sich dabei die Echaz, die mit ihrem Wasser nicht nur zur Produktion z. B. für die Papierherstellung genutzt werden konnte, sondern die gleichzeitig auch die für die modernen Maschinen notwendige Energie lieferte. Bereits um 1840 zählte man 22 Triebwerke, die so die für die aufstrebende Industrie notwendige Energie erzeugten. Die neuen Erwerbsmöglichkeiten sogen die Arbeitskräfte förmlich an, so dass sich die Einwohnerzahl, welche 1830 noch 3.400 betragen hatte, bis 1900 nahezu verdoppelte. Das einst geruhsame Landstädtchen hatte innerhalb von zwei Generationen grundlegende Änderungen erfahren. Die Zahl der Bauern - noch im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts waren in der Landwirtschaft rund 95% der Einwohner beschäftigt - nahm rapide ab. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts waren es nur noch etwa 25%, heute sind es knapp 2%. Dafür gab es plötzlich Industrielle, Handwerker, Freiberufler, Angestellte und Fabrikarbeiter. In der Stadt siedelten sich Papierfabriken, die Textilindustrie, die Lederindustrie, holzverarbeitende Betriebe, Maschinenfabriken, Druckereien usw. an. Pfullingen veränderte sich grundlegend. Nicht nur Industriebauten, auch die Wohnhäuser schossen geradezu aus dem Boden. 1892 kam die Eisenbahn nach Pfullingen, 1894 nahm das Elektrizitätswerk an der Echaz seinen Betrieb auf. 1902 kam das „Mädchenschulhaus", die heutige Uhlandschule hinzu. 1907 wurden die Häuser an eine öffentliche Wasserleitung angeschlossen und im selben Jahr stiftete der Geheime Hofrat Louis Laiblin die Pfullinger Hallen.
Die Notzeiten, bedingt durch den ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise, wirkten sich in Pfullingen aufgrund der starken Industrie nicht so dramatisch aus, da viele immer noch im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft betrieben und so ihren Lebensunterhalt aufbessern konnten. Der Zweite Weltkrieg ging im Gegensatz zu Reutlingen an Pfullingen glimpflich vorüber. Es gab keine nennenswerten Schäden in der Stadt. Am deutschen Wirtschaftswunder in den 50er Jahren hatten auch die Pfullinger Betriebe ihren Anteil. Die Bevölkerung wuchs weiter. 1950 zählte man 11.350 Einwohner, 10 Jahre später bereits über 13.000. Allerdings begann bereits in den 60er Jahren der Niedergang der dominierenden Textilindustrie. Doch das kompakte Gebilde der Pfullinger Wirtschaft hielt den bedrohlichen Entwicklungen stand. Mehr und mehr siedelten sich mittlere und kleinere Firmen an, die in den verschiedensten Branchen zuhause sind. Verstärkt trifft man heute auch auf das mehr und mehr Bedeutung erlangende Dienstleistungsgewerbe. Bereits in den 60er Jahren betrieb die Stadtverwaltung die Ansiedlung zukunftsträchtiger Branchen im Gewerbegebiet Steinge. Ende der 80er Jahre wurde auch am südlichen Stadtrand, im Gewerbegebiet Sandwiesen ein weiterer großer Bereich erschlossen, in dem innovative Unternehmen eine Heimat gefunden haben.
Nachhaltig wurde seit dem Zweiten Weltkrieg auch die Infrastruktur ausgebaut, um den gewachsenen Bedürfnissen einer heute 18.600 Einwohner zählenden modernen Stadt gerecht zu werden. Pfullingen hat ein gut ausgebautes Schulsystem, von der Grund- über die Förder- bis zur Realschule und Gymnasium ist alles vertreten. Kindergärten, Freibad, Hallenbad, Sportanlagen, Turn- und Sporthallen, Stadtbücherei, Volkshochschule, Alten- und Pflegeheim und Museen sind zu finden. Auch das Vereinsleben ist sehr stark entwickelt Über 50 Vereine und Gruppierungen bereichern das gesellschaftliche und kulturelle Leben.
Von 1979 bis 1984 wurde nach dem Motto „Erhalten, wo möglich, erneuern, wo nötig" der mittlerweile brüchig gewordene Stadtkern saniert. Dieses Großprojekt, das auf Landes- und Bundesebene mit Preisen ausgezeichnet wurde, hat dazu geführt, dass Pfullingen und sein Zentrum heute wieder für Leben und Arbeit ideale und angenehme Lebensumstände bieten. Nicht ohne Stolz können heute Gemeinderat, Unternehmer, Handwerker, Kaufleute und alle anderen engagierten Bürger auf ihre Stadt Pfullingen blicken. |
